Durch die Geburt ihrer Tochter ist Sarah, früher eine engagierte Feministin, in genau dem Leben gelandet, dem sie immer entkommen wollte: Als Hausfrau verbringt sie ihre Tage auf dem Spielplatz. Ihre Ehe existiert nur noch auf dem Papier, denn Ehemann Richard ist der Computer viel wichtiger als das Zusammensein mit Frau und Kind. Da lernt Sarah – auf dem Spielplatz, wo sonst? – den Hausmann Todd kennen, der genauso frustriert ist wie sie. Ihre Affäre wird für Sarah und Todd zur tröstlichen Zuflucht vor der Langeweile des Erziehungsalltags. Doch sie ist auch der Sprengstoff, der das falsche Idyll auseinander brechen lässt.
Meine Meinung:
Eine herrliche Posse auf das typische Vorstadtidyll. “Desperate Housewives” in gedruckter Form. Sarah, gefangen in ihrem Albtraum “Hausfrau & Mutter = Vorstadt”, versucht mit Hilfe einer Affaire auszubrechen. Sie hat die ganzen Intrigen, Kinderhuldigungen, Geheimniskrämerei und Rumnörgelei satt. Eigentlich will sie frei sein, frei von jeglicher Verpflichtung und so stürzt sie sich mit Eifer in diese Affaire. Ihr Mann Robert fängt via Chat eine Affaire an, da er sich genauso gefangen fühlt, ist Sarah doch seine zweite Ehefrau und schon wieder ist er reingefallen.
Es ist ein schöner Blick hinter den Kulissen eines typischen amerikanischen Vororts “Bellington”, die ganze Psyche einer kleinen Gesellschaft nimmt Perrotta unter die Lupe. Allerdings sind viele Nebenhandlungen eingearbeitet, die das ganze Klischee zwar vervollständigen, doch teilweise etwas wirr sind, so zB. der Expolizist, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Perversen auffliegen zu lassen und ein Mordgeständnis aus ihm zu locken, um somit seine Kinder zu schützen und Frieden und Ordnung wieder zu schaffen, vielleicht auch um seine Ehe zu kitten und wieder einen Job zu bekommen. Bei ihm könnte man von Besessenheit sprechen.
Doch haben alle Figuren ihre speziellen Macken, die den kompletten Psychokosmos dieses Örtchens bestens komplettieren. Alle leben sie ihre Zwänge aus, die wenigsten ihre Wünsche. Und Sarahs Affaire mit Todd bringt die so geliebte und erschaffene perfekte rosa Seifenblase zum Platzen.
Perrottas Sprache bringt alles glasklar auf den Punkt, die Figuren wirken nicht gestelzt, sie bekommen Leben eingehaucht. Man kann sich so manche richtig bildlich vorstellen. Allerdings übertreibt Perrotta manchmal oder besser gesagt, die Nebenhandlungen sind übertrieben und teilweise zu ausführlich dargestellt. Man ist etwas verwirrt, da die Figuren plötzlich und unerwartet aufeinmal wieder erzählen, so dass der Hauptstrang “Sarah” öfters in den Hintergrund gerät. Doch man gewöhnt sich daran und kann diese perfekte kleine Welt, die riesengroße Risse hat, nicht mehr aus der Hand legen.
Fazit:
Ein gelungenes Buch über Gesellschaftszwang, verlogene Familienidylle und den Wunsch sein Leben so zu leben, wie man möchte. Herrliche Posse auf das klischeehafte Vorstadtleben.
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