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Der Fliegenfänger – Willy Russell

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derfliegenfängerEigentlich hätte aus Raymond Marks ein ganz normaler Junge in einer ganz gewöhnlichen Stadt in Nordengland werden können: ohne Vater, der schon früh das Weite gesucht hat, mit der Mutter, die ihren Sohn liebt, aber nicht versteht, und der Großmutter, die ihren Enkel liebt und versteht, aber ziemlich verrückt ist. Doch der Tag, an dem der elfjährige Raymond in einer Schulpause das “Fliegenfangen” erfindet, ändert alles. Das harmlose Spiel wird katastrophal  missverstanden, Raymond fliegt von der Schule und beginnt ein tragikomisches Leben als Außenseiter und Sonderling.  (via Innentext)

Meine Meinung:

Raymond Marks Leben wird von Mißverständnissen, Ausreden und sein eigenen fehlenden Selbstvertrauen geprägt, allerdings alles andere als positiv. Der Hauptauslöser ist das sogenannte “Fliegenfangen”, ein Zufallsprodukt, welches zum Selbstläufer wird, da sie eh schon immer mit runtergezogenener Hose am Kanal in ihrer Schulpause spielen, ist es kein Wunder, dass sich irgendwann auch mal eine Fliege auf dem Penis verirrte, die allerdings mit der Vorhaut erstickt wurde. Doch als es einmal zu einem Unfall kam, will es keiner gewesen sein und alle Schuld wurde auf Raymond geschoben, der Schulrauswurf kam prompt und sein erster Aktenvermerk “leicht pervers”. Keiner wollte nichts mehr mit ihm zu tun haben. Die Geschichte zieht sich dementsprechend fort, mal wird er als Held dargestellt, mal als  suizidgefährdet oder Sittenstrolch, sprich Sonderschule, Therapie und psychiatrische Klinik folgen in seiner Laufbahn.

Hinzu kommen noch die familiären Probleme mit seiner Mutter, dem “Drecksonkel Jason” und der “verlogenen Tante Fay”, sowie die einzige Konstante in seinem Leben, seine Großmutter.

Raymond schreibt rückblickend auf sein bisheriges Leben, erzählt die mißverständlichen Begebenheiten aus seiner Sicht und das in Briefform an sein Idol Morrissey. Die Briefe schickt er zwar nicht ab, doch sind sie für ihn eine Hilfe das Geschehene zu bewältigen, spornen ihn an endlich in der Welt auch anzukommen, zb eigene Songtexte zu schreiben.

Der Charakter des Raymonds ist wahrlich nicht einfach konstruiert, wird er ziemlich schnell aus seiner eigentlichen Kindheit herausgerissen und kann sich somit nicht wirklich selbst entwickeln. Es fängt mit einer zaghaften Bindung zum Hauptcharakter an, steigert sich in ein Tutmirderaberleid rein und schlägt irgendwann um in ein genervtes Waskommtdennjetzt. Ehrlich gesagt ging es mir ziemlich auf den Keks, dass fast jeder Raymond mißversteht oder mißverstehen will, dass Raymond kein Selbstvertrauen entwickelt und alles mit sich machen lässt mehr oder weniger, dass dieses ewige Rumgehacke kein Ende nimmt. Ich fand es nicht grade komisch, eher nur tragisch und nervig. Der Schluß ist übrigens eine Farce für sich.

Keiner will verantwortlich für sein Handeln sein, nur der “Sittenstrolch” Raymond kann für alles verantwortlich sein. So hat er ein Mädchen bei seinem angeblich ersten “Selbstmordversuch” erschreckt, in dem er nur an ihr vorbei gerannt ist, aber es heißt sofort, er hat sie mißbraucht und in die Enge getrieben, dabei kommt Jahre später raus, dass es der eigene Vater der Kurzen war, doch Raymond ist zu der Zeit schon in der psychatrischen Klinik gelandet und grade dermaßen mit Pillen abgefüllt, dass ihm alles im Leben egal ist, selbst das Leben an sich.

Davon aber jetzt mal abgesehen, fand ich die Erzählweise in Briefform schon gelungen, ja die Briefe waren auch humorvoll bis er sich jeweils in der Situation erklärt hat.  Die anderen Charaktere wie zB. der “Drecksonkel Jason” und der Mutant “Wilson” sind ebenso beschrieben, so daß man meint sie genauso zu kennen.

Hiermit erklärt sich warum manche Personen als etwas dargestellt werden, was sie nicht sind, zuwenig Selbstbewußtsein gepaart mit einer Menge Missverständnisse, die nie aufgeklärt werden. Kommunikation ist vieles im Leben.

Fazit:

Eine Erklärung für ein verkorkstes Leben. Mehr tragisch als komisch.

stars3

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Author: ri

eher zu der Gruppe Enddreißiger gehörend, hat das Herz schon seit langem an das Herzblatt verloren, geht nie ohne Buch und einer Kamera (die vom iphone zählt auch) aus dem Haus, muss mindestens einmal im Jahr ans Meer, liebt Momentaufnahmen und versucht sich an so manchen Hobbys zB. Lesen, Fotografieren, Musik, Stricken und *hüstel* etwas rumsporteln.

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