ri im net

Wasser für die Elefanten – Sara Gruen

| 0 comments

wasser für die ElefantenAmerika 1931, die Wirtschaftskrise hat das Land fest im Griff. Da kann der junge Tierarzt Jacob Jankowski von Glück reden, als ihm ein Job beim Zirkus angeboten wird. Auch wenn es ein sehr bescheidener Zirkus ist: Nicht einmal einen Elefanten gibt es. Dafür eine wunderschöne Kunstreiterin. Doch Marlena ist verheiratet mit dem wahnsinnigen Dompteur. Irgendwann findet sich doch eine, wenn auch sehr eigensinnige Elefantendame. Keiner kann mit Rosie umgehen – bis Jacob ihr Geheimnis enthüllt. Und als sich gerade alles zum Guten zu wenden scheint, nimmt eine Tragödie ihren Lauf…

Meine Meinung:

Nur noch eine Abschlußarbeit trennt Jacob Jankowski vom bestandenen Veterinärstudium, doch dazu kommt es nicht. Eine Woche vor der Prüfung verunglücken seine Eltern. Nicht nur die Trauer lähmt ihn, sondern auch die finanzielle Seite. Seine Eltern haben alles Geld in sein Studium gesteckt, sein Vater – selbst Tierarzt – nahm Naturalien als Bezahlung an. Somit stand Jacob vor dem Nichts, denn alles was seine Eltern jemals besessen und aufgearbeitet haben, fällt an die Bank. So flieht er, was soll er mit einem Doktortitel, wenn er nicht praktizieren kann? Irgendwann springt er auf einem Zug auf, um weit weg zu kommen. Doch dieser Zug ist ein besonderer Zug, der Eisenbahnzirkus “Benzinis spektakulärste Show der Welt”, der noch fraglich berühmt wird.  Er kann dort anheuern als Tierarzt und erlebt eine interessante Zeit voller Armut, Intrigen, Wahnsinn, Liebe und vielen anderen.

Jacob Jankowski lernen wir als alten Mann, wohnhaft im Altersheim, kennen. Irgendwas zwischen 90 und 93 Jahre alt ist er.

Wenn man fünf ist, weiß man auf den Monat genau, wie alt man ist. Auch in den Zwanzigern weiß man noch wie alt man ist… Aber dann, so ab Dreißig, geschieht etwas Seltsames. Anfangs ist es nicht mehr als ein Stolpern, ein kurzes Zögern. Wie alt bist Du? Oh ich bin… – man fängt zuversichtlich an, aber dann gerät man ins Stocken. Man wollte sagen dreiundreißig, aber das stimmt nicht. Fünfunddreißig wäre richtig gewesen. Und das beunruhigt einen, denn man fragt sich, ob das der Anfang vom ende ist. Genau das ist es, aber es dauert noch Jahrzehnte bis man es zugibt.(Seite 15)

Als Jacob aus dem Fenster schaut, sieht er, dass ein Zirkus seine Zelte für ein paar Vorstellungen aufbaut. Zirkus, das war sein Leben. Er erinnert sich plötzlich an genau diese Zeit. Aufgestachelt vom Nachbarn am Nebentisch, der behauptet den Elefanten Wasser gebracht zu haben in seiner Kindheit, wird Jacob als schwieriger Patient eingestuft, da er randalliert und ihn  als Lügner darstellt. So erzählt er diesen besonderen Lebensabschnitt etappenweise.

Jacob war mir von Anfang an sympathisch, ist er doch mittlerweile ein rotziger alter Kautz, der eine fesselnde Zeit beim Eisenbahnzirkus erlebt hat. Genau diese Zeit wird lebendig, spürbar und greifbar. Die Verzweiflung, die Armut, die Depression, die Freude über einen Zirkus, die Hoffnung. Allerdings wenn man den Zirkus auch von innen betrachtet, die Arbeiter, eingeteilt in verschiedenen Bereichen, der nahe Bankrott, der Aufstand, die Intrigen, der Wahnsinn,die Liebe und die geheimnisvolle Elefantendame Rosie.

Sara Gruen ist es absolut gelungen die Zeit eines Eisenbahnzirkusses in der Wirtschaftskrise darzustellen, ebenso aber auch eine schwierige Liebesgeschichte mit einzubauen, die mal mehr mal weniger dominant ist. Die Charaktere sind springlebendig dargestellt, auch vielseitig angelegt, Onkel Al, der geizige Zirkusdirektor, Auggie, der schizophrene Dompteuer, der mal Freund mal Feind ist, Marlena, Jacobs Liebe und viele andere. Interessant fand ich nicht nur den Einblick in die Organisation eines Eisenbahnzirkusses, sondern auch in den Machenschaften, dem Umgang miteinander und den Intrigen. ZB. wurden die Artisten immer bezahlt, während die Arbeiter meistens leer ausgingen oder dass es während der Fahrt Personalschwund gab. Sozusagen in manchen Handeln ist es ein “Doku-Roman”, sehr gut recherchiert und belegt.

Die Einladung einzutreten, symbolisch dargestellt mit dem Aufhalten des Chapiteau-Vorhanges und der Person vorweg, hab ich nicht bereut. Großartiges Lesevergnügen, auch wenn ich mir gewünscht mehr vom “alten” Jacob zu erfahren.

Fazit:

Ein bezaubernder und verstörender Einblick in das Leben und Wesen eines Eisenbahnzirkusses, etwas was heutzutage nicht der gibt.

stars5

Related Posts with Thumbnails

Author: ri

eher zu der Gruppe Enddreißiger gehörend, hat das Herz schon seit langem an das Herzblatt verloren, geht nie ohne Buch und einer Kamera (die vom iphone zählt auch) aus dem Haus, muss mindestens einmal im Jahr ans Meer, liebt Momentaufnahmen und versucht sich an so manchen Hobbys zB. Lesen, Fotografieren, Musik, Stricken und *hüstel* etwas rumsporteln.

Leave a Reply

Required fields are marked *.

*