Was wäre, wenn Ihre Familie, Freunde und Bekannte wüssten, was sie wirklich über sie denken…
Gerri schreibt Abschiedsbriefe an alle, die sie kennt, uns sie geht nicht gerade zimperlich mit der Wahrheit um. Nur dummerweise klappt es dann nicht mit dem Schlaftabletten und dem Wodka – und Gerris Leben wird von einem Tag auf den anderen so richtig spannend. Denn es ist so eine Sache , mit seinem Mitmenschen klarzukommen, wenn sie wissen, was man wirklich von Ihnen hält!
Meine Meinung:
Gerri – Gerda Thaler – ist sozusagen das schwarze Schaf der Familie. Ihr drei Schwestern haben studiert, sind verheiratet bzw. liiert, bloß sie nicht und das mit Anfang 30. Für ihre Mutter ein halber Weltuntergang, nicht das das Kind niemanden abbekommt. Gerri nervt das Alleinsein ja selber, unternimmt sie doch einiges um jemanden kennenzulernen, doch es soll nicht sein. Und da war da noch die Sache mit ihrem Studium, welches Sie geschmissen hat, um fortan sich den Unterhalt mit Schreiben von Heftromanen zu verdienen. Ein toller Job, doch das mit dem Auskommen ist noch nicht so, wie es sein sollte. Zum guten Überfluß steht ihr Verlag auch noch vor dem Umbau, bzw. kurz vor dem Aus. Gerri beschließt Selbstmord zu verüben, drückt ihr doch auch noch ihre Mutter einen Haufen Schlaftabletten in die Hand, um sie bei der Apotheke abzugeben. So schreibt Gerri viele Abschiedsbriefe, in denen ihre wirkliche Meinung über die Personen steht. Doch trotz aller Vorbereitungen, geht alles schief, und noch nicht einmal das Leben kann sie sich nehmen. Die eigentliche Tortour fängt jetzt erst an…
Mit viel Witz, Charme und Herzlichkeit beschreibt Kerstin Gier Gerri und ihr Leben. Gerri selbst schließt man schnell ins Herz, armes familiengebeuteltes Ding. Tolpatschig möchte man sie beinahe nennen, denn von einem Fettnäpfchen geht es gleich ins nächste, spätestens der mißlungene Suizidversuch lässt da keinen Zweifel mehr übrig. Man leidet mit ihr, denn ihre Familie spart nicht gerade mit Häme.
Auch der Rest der Familie ist herrlich pointiert, zB. mein Darling Gerris Mutter, die sich zwar den Namen jeder Tupperdose merken kann, doch die ihrer Kinder nicht. Die ebenso bezaubernden Schwestern und ihre Problematik und nicht zu vergessen Gerris beste Freundin Charlie runden das Ganze ab. Man fühlt sich automatisch wohl, denn irgendwo hat jeder eine wunderbare Familie
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Gleichzeitig zu dem witzigen Erzählstrang werden die Problematik des Suizids (warum, hätte man es abwenden können), der heutigen Schwierigkeit einen Partner kennenzulernen (evtl.) und mit Familienproblemen richtig umzugehen behandelt, wenn man es denn reininterpretieren möchte. Für manche mag es auch nur eine tolle Unterhaltung sein. Doch gekonnt und geschickt kann man zum Nachdenken angeregt werden.
Wer auf den ÖPNV angewiesen ist und mal wieder dämlich von anderen angeschaut werden möchte, dem empfehle ich es während der Fahrt zu lesen. Leichte Kicherattacken sind vorprogrammiert, so daß die dummen Gesichter das auch sind.
Fazit:
Witzig, fluffig und spannend, so könnte man den Roman am Besten beschreiben. Ein herrlicher Genuß, der gerne mal zum wilden Kichern animiert, gleichzeitig aber noch ein hohes Niveau hat.




(5/5)
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