ri im net

{Rezension} Schloss aus Glas – Jeannette Walls

| 0 comments

schlossausglas

Jeannette Walls ist ein glückliches Kind: Ihr Vater geht mit ihr auf Dämonenjagd, holt ihr die Sterne vom Himmel und verspricht, ihr ein Schloss aus Glas. Was macht es da schon, mit leeren Bauch ins Bett zu gehen oder in Nacht-und-Nebel-Aktionen den Wohnort zu wechseln. Doch irgendwann ist das Bett ein Pappkarton auf der Straße, und eine Adresse gibt es schon lange nicht mehr.

Eine ungewöhnliche Kindheit in einer Familie, die man sich verrückter nicht vorstellen kann.

Meine Meinung:

Jeannette´s Kindheit geht über jeden Verstand. Der Vater ein Gelegenheitsarbeiter, genauso wie Säufer und unverbesserlicher Träumer, der nie um Ausreden verlegen ist. Ihre Mutter, genauso verantwortungslos, da ihre “angehende” Kunstkarriere für sie erstrangig ist. Die Kinder können gerade mal bei einem Umzug nur ein Teil mitnehmen, während ihre komplette Malausrüstung mit muss.

Zuerst wohnt man noch in Wohnungen bzw. Häuser, doch schnell kann man die Miete nicht mehr zahlen und schon landet man auf der Straße. Wenn Kinder sich freuen in Pappkartons zu schlafen, heißt das schon was.

Jeannette hat noch 3 Geschwister, einen Bruder, sowie eine ältere und eine jüngere Schwester. Zu ihren älteren Geschwistern hat sie ein engeres Verhältnis, besonders zu ihrem Bruder. Nach und nach entfliehen die Kinder der Familie und ihre Eltern landen noch tiefer, in New York auf der Straße, allerdings lassen sie sich auch nicht viel helfen. Denn ihre “Freiheit” geht über alles.

Ich kann verstehen, dass Jeannette sich ihrer Eltern, ihrer Kindheit und ihrer Herkunft teilweise sehr geschämt hat. Schließlich hat sie es geschafft sich als Journalistin in New York ein Namen zu machen.

Ihre Kindheit beschreibt sie trotzallem liebevoll, gab es auch einige tolle Erinnerungen wie zB. ein Stern als Weihnachtsgeschenk (aus Ermangelung eines realen Geschenkes) oder die Jahre in der Wüste, allerdings schlägt sie auch melancholische Töne an, denn immer nur in anderen Mülleimern nach was essbaren zu suchen oder gehänselt zu werden ist nicht toll. Doch schlägt sie keine vorwurfsvollen verletzenden Töne an. Alle Hochachtung! Beim Lesen wollte man schon soo oft eingreifen (geht ja nicht :) ), teilweise packte mich die Wut, so dass ich ne kurze Pause brauchte. Aber niemals findet man Vorwürfe.

Mich hat es bewegt und sehr nachdenklich gestimmt. Jeannette´s Schreibstil lässt einen auch nicht los. Mich freut´s auch zu lesen, dass sie und ihre Geschwister erfolgreich im Leben stehen.

Fazit:

Ein Einblick in eine bewegte und seltsame Kindheit, der sich lohnt.

(5/5)

Diana Verlag / Juli 2006 / 384 Seiten / ISBN 9783453351356 / TB / 8,95 €

Related Posts with Thumbnails

Author: ri

eher zu der Gruppe Enddreißiger gehörend, hat das Herz schon seit langem an das Herzblatt verloren, geht nie ohne Buch und einer Kamera (die vom iphone zählt auch) aus dem Haus, muss mindestens einmal im Jahr ans Meer, liebt Momentaufnahmen und versucht sich an so manchen Hobbys zB. Lesen, Fotografieren, Musik, Stricken und *hüstel* etwas rumsporteln.

Leave a Reply

Required fields are marked *.

*