{Rezension} Rotkäppchen muss weinen – Beate Teresa Hanika

rotkäppchenmussweinen Oma ist tot. Großvater ist einsam. Mutter hat mal wieder Migräne. Und deshalb bringt Malvina dem alten Mann jeden Tag Essen und Wein – wie Rotkäppchen aus dem Märchen. Doch Großvater will von Malvina noch etwas anderes. Wie schon lange vor dem Tod der Großmutter. Wie immer. Großvater ist eben nicht nur Großvater, sondern auch der böse Wolf höchstpersönlich. Und alle schauen weg, wollen nichts hören, nichts sehen, nichts wissen, nichts ändern – bis auf die polnische Nachbarin.

 

Meine Meinung:

Malvina ist eigentlich ein “normales” Mädchen, steht kurz vor ihrem 14ten Geburtstag. Erlebt mit ihrer besten Freundin Lissy so einiges, so ist ihr Zufluchtspunkt eine alte verlassene Villa, die natürlich auch von den Jungs gerne erobert werden würde.

Eigentlich normal, wäre da nicht die Sache mit Opa. Malvinas geliebte Oma ist an Krebs gestorben, so dass sie sich jetzt um Opa kümmern muß. Doch Opa definiert den Begriff etwas anders als erwartet. Im Nachhinhein wird aber deutlich, dass er schon zu Omas Lebzeiten sich um Malvina “gekümmert” hat. Keiner will ihr glauben. Ihr Bruder ist mit seinem Studium auswärtig beschäftigt, ihre ältere Schwester belächelt sie, ihre Mutter ist mit Migräne beschäftigt und ihr Vater hört ihr gar nicht zu “Es ist nur ne Phase!”. So steht Malvina alleine da. Und dann gibt es noch Klatsche, ein Junge aus der Nachbarschaft, der sich von Malvinas Agressivität ihm gegenüber nicht einschüchtern lässt. …

Frau Hanika hat sich einem sensiblen Thema angenommen: Mißbrauch in der Familie. Da sie den Mißbrauch nicht konkret schildert, sondern nur öfters andeutet, entsteht beim Hörer eine innere Wut, Hilflosigkeit und auch Hoffnung. Denn Malvina erhält Hilfe in Form von der polnischen Nachbarn des Opas, ihrer besten Freundin Lissy und der zarten ersten Verliebtheit in Klatsche. In Rückblicken erzählt Malvina von dem Anfang des Übels, den Tod der Oma, die gemeinsame schöne Zeit mit ihr, von ihrer Familie und deren Problemverachtung, allerdings gleichzeitig auch von der zarten Bande mit Klatsche, warum Lissy ihre beste Freundin ist und wieso sie es nicht schafft aus dem aufgezwungenen Muster auszubrechen.Man verliert sich ebenso in Malvinas Hilflosigkeit und ihren Hilfeschreien, die komplett ignoriert werden.

“Keiner wird etwas merken, weil ich funktioniere .. und keiner hören will.”

“Es gibt keine Farbe mehr, nur noch Lichtpunkte aus der Vergangenheit..”

 

Die Autorin hat mit der Wahl ihrer Charaktere, die sehr real dargestellt werden, eine Tiefe geschaffen, die einem unter die Haut geht. Gerade die Wahl zwischen Familie oder Freunde ist kniffelig. Doch Malvina wird geholfen, der Familienteil spielt das Ganze runter und stellt sie als naja etwas überdreht hin, doch ihr Gegenpol in Form der Freundin Lissy, Klatsche und der Nachbarin Blitschek, zeigt ihr, dass sie nicht komisch oder überspitzt reagiert. Genau solche Freunde brauch Malvina. Es zeigt mal wieder wie wichtig ein funktionierende Freundschaft ist.

Angebracht ist auch ein großes Lob an Frau Carlsson, die Malvina ihre Stimme leiht und genau die richtigen Stellen wunderbar in Szene stellt. Das Kopfkino kommt voll auf seine Kosten, denn man ist  in dem Bann gefangen, man möcht nicht aufhören mit dem Hören. Und je mehr man erfährt desto größer wird auch die Hoffnung für Malvina.

"Ich heiße Malvina, die Hüterin des Rechts, die mutige Malvina, die sich traut zu springen, immer, auch wenn man den Boden nicht sehen kann."

 

Fazit:

Ein sensibles Thema zart , einfühlsam,mutig und stark dargebracht. Wichtig sind Entscheidungen zu fällen, die einem helfen, nicht alles einfach so hinzunehmen, sondern den Mut aufzubringen und darüber zu sprechen, schreiben oder aufmerksam zu machen.

(5/5)

Silberfisch Produktion / August 2010 / 4 Cds / ISBN 978-3867426732 / 19,95€

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www.ri-im.net

eher zu der Gruppe Enddreißiger gehörend, hat das Herz schon seit langem an das Herzblatt verloren, geht nie ohne Buch und einer Kamera (die vom iphone zählt auch) aus dem Haus, muss mindestens einmal im Jahr ans Meer, liebt Momentaufnahmen und versucht sich an so manchen Hobbys zB. Lesen, Fotografieren, Musik, Stricken und *hüstel* etwas rumsporteln.

2 comments Write a comment

  1. Ich mochte das Buch auch sehr (war letztes Semester Lektüre für eine Veranstaltung) und fand, dass es behutsam mit so schwierigem Stoff umgeht. Allerdings gab es Kommilitoninnen, die ernsthaft meinten “Wieso? Da wird doch garkeiner vergewaltigt”… Naja.

    LG Katrin (die fleißig Eulen stempelt :) )

    • Ist das nicht schlimm? Muß denn immer alles ins kleinste Detail beschrieben werden? Menno, ne, das hier war genau die richtige Dosis mE. ;)
      PS: Eulenschön ;)

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