Es gibt im Baltikum einen vergessenen Landstrich und darin eine Stadt namens Dot. Als einst die Kartographen von Katharina der Großen dort vor der Küste arbeiteten, sank das Schiff samt Kartenmaterial, und statt noch einmal von vorn zu beginnen, notierte man schlicht, die Gewässer in jener Gegend seien nicht schiffbar. Unberührt von aller zivilisatorischen Kälte leben also die Menschen in der Stadt Dot am Fluss Ampersand in einer Art Traumwelt.
Nicht dass sie keine Probleme kennen würden: Der Bürgermeister Tibo Krovic ist zum Beispiel auf das Unglücklichste in seine Sekretärin Agathe Stopak verliebt, die wiederum mit einem Mann verheiratet ist, der sie nicht mehr liebt und nicht bereit ist, ihren großen erotischen Appetit zu stillen. Eines Tages fasst Krovic sich ein Herz und lädt sie zum Mittagessen ein. Eine zarte Liebesgeschichte entspinnt sich. Irgendwann jedoch zu zart für Agathes Geschmack, ungeduldig wirft sie sich dem Erstbesten ( der natürlich der Allerschlechteste ist) an den Hals. Drei Jahre leiden sie getrennt voneinander. Dann nimmt Mamma Cesare, ihres Zeichen Wirtin und Magierin, sich der beiden Liebenden an. Vor allem bringt sie dem viel zu zögerlichen, viel zu ehrenwerten Krovic bei, dass er mit Agathe das große Los gezogen hat. Er sollte nur nicht versäumen, es auch einzulösen…
Meine Meinung:
Während ich im Zug zur Arbeit sitze und döse/Hörbuch höre/lese, hat Andrew Nicoll es gewagt einen Roman zu schreiben. Was soll ich sagen, außer er möge doch bitte noch oft Zug fahren. Ich bin verliebt in dieses Buch.
Walpurnia, die Patrone des verträumten Dörfchen Dot, erzählt von ihrem Platz am Kirchturm die Geschichte vom guten Bürgermeister Tibo Krovic und seiner Liebe zur Sekretärin Agathe. Eigentlich könnte man jetzt denken “Das war es?”, wenn da nicht die zauberhafte bildliche Sprache wäre. Es zieht einen in den magischen Bann des zuckerwattigen Süßen oder nicht. Ich bin gefangen im Bann. Die Beschreibungen des Ortes, der Charaktere und der Handlungen lösen einen eigenen Film im Kopf á la Disney aus. Es ist im Grunde genommen alles friedlich und lieblich, wenn da nicht so ein paar Hindernisse wären.
Mir kam es vor, als ob das kleine Dörfchen Dot im Tiefschlaf lag und so langsam aufwacht, so verzaubert und verträumt sind die Beschreibung, zB. das Sonntagskonzert, das italienische Restaurant/Cafe oder einfach nur die “guten” Tischmanieren. Ein Genuß! Genau dieser Charme macht den Reiz des Buches aus. Die Handlung an sich ist banal, doch die Worte sind es überhaupt nicht. Andrew Nicoll bringt eine Welt auf s Papier, in die man selber einmal eintauchen möchte, sowie Charaktere, die man herzen möchte, so lebendig und liebenswert. Er schafft es einen wirklich in den Bann zu ziehen. Hut ab!
Das Lesen dieses Buches hinterlässt nicht nur ein süffisantes Grinsen im Gesicht, nein, auch eine gewisse Portion an Melancholie, wenn man es ausgelesen hat und zu guter Letzt regt es noch zum Nachdenken an.
Bitte mehr davon!
Fazit:
Ein magischer teils tragischer zart gespinnter Liebesroman. Ein cremiges und tuffiges Bonbon in jedem Bücherregal. Wer es romantisch mag, der sollte sich dies Bonbon gönnen.




(5/5)
Rowohlt Berlin Verlag / März 2010 / 463 Seiten / ISBN 9783876460 / Originaltitel: The Good Mayor /
29/10/2010 at 17:20
Thanks for your kind comments. I’m so glad you liked it.
best wishes
Andrew
31/10/2010 at 20:15
Jetzt bin ich hin und her gerissen. Eine Kollegin hat mir vor Monaten ganz entsetzt von dem Buch erzählt, weil sie das Ende so schrecklich absurd fand. Sie hat es mir regelrecht ausgeredet und da ich ja nun auch weiß, wie das Ganze ausgeht, hab ich es sein lassen. Wenn du jetzt aber so begeistert bist… Hm, gibt’s das bei audible.de? Gleich mal nachschauen…
06/11/2010 at 00:35
@Andrew: Many thanks for your kind words. I love your book and i´m so surprised and happy about your comment.
@Nina: Ich liebe es. Hmm. Vielleicht brauch man schon nen romantischen Draht dazu, doch ich finde der Sog des Verträumten fängt einen schnell ein. Ich find es lohnt sich
Audible, muß ich auch mal schauen..
12/11/2010 at 13:00
Again, forgive me for responding in English. Perhaps Google can help with translation.
I hear a lot about the “absurd ending”. I must admit, I can’t understand that. This book starts at the very beginning with a 1200 year old bearded nun. That’s pretty absurd. It’s got an Italian witch and a haunted theatre and a ghostly company of circus performers. It’s even got an honest politician – but the ending is “absurd”.
12/11/2010 at 13:47
Hello Andrew,
)
to tell the truth? I really can´t admit it too. I didn´t find the story has an absurd ending. It´s an ending and that´s it. I think the colleague of Nina hasn´t a relationship to the circus perfomers, i like them.
Okay first i thougt it was a real short ending, but after thinking about it ending is perfect, same “dreamly” as the story itself.
Btw. Are you writing a new book?