Kolyma – das ist der Vorhof der Hölle. Am äußersten Rand von Sibirien gelegen, tausende Kilometer von Moskau entfernt, gibt es hier nur Steine, Schnee, Permafrost – und Lager. Die schlimmsten Gulags der Sowjetunion. In diese eisige Wüste lässt Leo Demidow sich einschmuggeln, denn seine Tochter wurde entführt, und ihr Leben steht auf dem Spiel. Doch als einer der Mithäftlinge ihn als ehemaligen KGB-Agenten enttarnt, sitzt Leo plötzlich in einer tödlichen Falle …
Meine Meinung:
Mit seinem Debut-Roman “Kind 44” hat Tom Rob Smith mich beeindruckt. Es war ein Krimi nach meinem Geschmack. Etwas historisch, einen interessanten Plot und einen ebenso interessanten wie rätselthaften Hauptcharakter, nämlich Leo Demidow. Daher konnte ich damals nicht anders, als Band 2 der Leo Demidow Reihe zu erstehen.
Leo Demidow hat vor sieben Jahren einen Priester an den Staat verraten. Dessen Frau wollte er eigentlich retten, doch sie ließ es nicht zu. Sieben Jahre später ist Demidow verheiratet und hat zwei Adoptivtöchter (die beiden Mädels aus Band 1), die ältere ist ihm aber nicht wohlgesinnt, sieht sie nur den Mörder ihrer Eltern in ihm. So versucht sie auch in umzubringen, aber wird in der Nachtruhe durch ein Telefonat gestört. Und damit fängt das Dilemma an. Ein ehemaliger “Kollege” ruft in volltrunken an und will sich mit ihm treffen. Doch zu diesem Treffen kommt es nicht mehr, er bringt erst seine Familie und dann sich um. Hinzu kommt dass die älteste Adoptivtochter weiter Schwierigkeiten macht und eines Tages entführt wird.
Mehrere Plots vereinigen sich zum Schluß zum einen, zwischenzeitlich fragt man sich allerdings doch schon, was das alles miteinander zu tuen hat. Zum einen gibt es die Morde an seinen ehemaligen Kollegen, zum anderen die Entführer, die verlangen, den Priester (genau jener welcher) aus einem Gulag zu befreien, dem Gulag der Hölle, Kolyma. Zwischendurch gibt es noch einige Intrigen und einen zarten Hauch von junger Liebe. Sehr viel Mißtrauen wird gestreut. Nicht zu verdenken, spielt der Krimi in Russland zu Chruschtschows Zeiten.
Und doch ist es auf der einen Seite spannend, auf der anderen Seite sehr langatmig und konträr, wenn nicht sogar total unglaubwürdig. Die ganze geballte Gewalt ( Gulag, Folterungen, Morde, Verrat, Prag-Putsch …) gegen eine zarte Liebe, die auch aus falschen Gründen überhaupt besteht (Stockholm-Syndrom). Eine Frage quält sich durch das Buch: Wer hat welches Maß an Schuld auf sich geladen? Ist derjenige, der sich in das System einpasst, schuldloser als derjenige, der dagegen aufbegehrt? Eine eindeutige Antwort gibt es allerdings nicht, aber es regt zum Nachdenken an.
Alles in allem war ich leider enttäuscht. Der Plot war konfus, die Charaktere irgendwie blass und gehörig. Habe ich Band 1 verschlungen, steckte ich in diesem Band doch etwas fest.
Fazit:
Leider kommt der Folgeband nicht an den erfolgreichen Serienstarter heran. Schade.




(3/5)
Goldmann Verlag / 09.08.2010 / 480 Seiten / ISBN 978-3442472352 / OriginalTitel: The Secret Speech / Krimi / 9,95€