Ist Duschen im Dunkeln wirklich sinnvoll, um Strom zu sparen? Wofür entscheidest du dich, wenn im Supermarkt der gespritzte Granny Smith aus der Region neben dem Bioapfel aus Neuseeland liegt? Und welche Shampoo-Experimente aus der Kräuterküche kann man getrost vergessen? Vanessa Farquharsons hat ein Jahr lang jeden Tag eine ökologische Korrektur in ihrem Leben vorgenommen. Ihr Tagebuch zum Projekt “ökologisch korrekt und trotzdem sexy” ist schonungslos und äußerst unterhaltsam.
Meine Meinung:
Vanessa Farquharson wird sehr nachdenklich, nach dem sie die “unbequeme Wahrheit” von Al Gore gesehen hat. Ihr Entschluss steht fest, viel zu viele reden vom ökologischen Handeln, doch die wenigsten tun es. Sie entschließt sich ein Jahr lang jeden Tag einen Schritt weiter in Richtung “grünes Leben” zu gehen. 365 Tage = 365 Veränderungen. Am Anfang jedes Monats gibt es eine Auflistung der jeweiligen Tagestipps. Leider geht die Journalistin nicht auf jeden Tip ein, auch so manch interessant klingender Punkt wird nicht erwähnt.
Die Autorin vermischt zu ihren ausgewählten Punkten Hintergrundwissen, ihre Art von Umsetzung und auch mal komische Elemente. Sie spart nicht mit Gefühlen, so dass man weiß, dass sie manches (Kompost-Toilette z. B.) nur mit Überwindung ausführen konnte. Manches erzählt sie mit Charme und Witz, manches vermischt sie mit familiären Geschichten und wenn sie mal wieder nicht weiter weiß, fragt sie ihre gute Freundin Meghan, die das Gefühl vermittelt, die bessere Öko-Aktivistin zu sein, obwohl sie erst später eingestiegen ist.
Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es eine harte Nuss ist, aus einem bequemen Leben ein grünes zu gestalten. Das stell ich gar nicht in Frage. Ich finde es ist auch ein wichtiges Thema, da wir nur eine Erde haben. Leider kann die Autorin die Begeisterung, mit der sie anfing, nicht komplett durchhalten. Je länger ihr Projekt dauert, desto mehr hat man das Gefühl von unendlichen Qualen. Leider leidet das Buch auch darunter.
Als zweite rote Linie zieht sich übrigens die Partnersuche durchs Buch. Zum Schluss findet sie die große Liebe. Zu Recht, aber auch fragwürdig.
Fragwürdig war auch so manches. Auf der einen Seite will sie ökologisch leben, lebt schon in einer 65 qm Singlewohnung und zieht dann in ein noch größeres Haus. Sehr ökologisch, oder? Ein anderes Mal verkauft sie ihr eigenes Auto, meldet sich zum Car-Sharing an und dann will sie ihren “Lover” unbedingt mit einer Protzkarre aus dem Arsenal des Car-Sharings abholen, egal.. Hauptsache man schindet Eindruck. Ah ja.
Trotz allem regt dieses Buch zum Schmunzeln und vor allem zum Nachdenken an. Manches werde ich wohl auch umsetzen, nein keine Kompost-Toilette, aber z. B. eine kleinere Handschrift wählen.
Übrigens kann man hier mal seinen eigenen CO2-Fußabdruck berechnen lassen, auch interessant.
Fazit:
Tolle Anregungen zum ökologischeren Leben, teilweise charmant und schmunzelhaft erzählt, teilweise etwas gequält vermittelt.




(3.5/5)
Bastei Lübbe Verlag / 17.03.2011 / 368 Seiten / ISBN 978-3404606559 / Originaltitel Sleeping naked is green / 8,99€