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Haben Sie das von Georgia gehört? – Mark Childress

Haben Sie das von Georgia gehört?Georgia. Georgia Bottoms. Angesehene stadtbekannte wohlhabende Schönheit. Mit kleinen Makeln. Naja. Denn die Bottoms sind nicht mehr wohlhabend, stehen eigentlich vor dem Ruin. Wäre die liebe Georgia halt nicht die liebevoll sorgende reizvolle Schönheit, die einen lukrativen Nebenjob nachgeht. Sie erfüllt Herrenwünsche von Dienstag bis Sonntag. So wie man früher Unterwäsche mit den Namenstagen trug, hat Georgia ihre Männer, die für sie und ihre Familie sorgen. Jeden Tag einen anderen angesehenen Edelmann des Örtchen Six  Points in Alabama. Keiner weiß von den anderen.

Alles verläuft prima, bis auf einmal einer (der Pfarrer) Reue bekundet und seine Untreue öffentlich gestehen will. Der Stein kommt ins Rollen. Die wahre Georgia zum Vorschein und ihre kleinen Geheimnisse, die wirklich fast jeden im Örtchen umhauen…

Geprägt wird das Bild auch von ihrer dementen Mutter, die hinter allem etwas böses ahnt, ihrem Bruder, der kriminell und leicht unterbemittelt erscheint, ihre beste Freundin Krystal, zur Zeit Bürgermeisterin und ihren direkt nach der Geburt abgegebenen Sohn, der auf der Suche nach seiner Mutter ist und aus einer Liaison mit einem Farbigen stammt. Viel Pulver.

Georgia ist aufopferungsvoll, ein Organisationstalent und alles nur um den Namen der Bottoms noch mit Würde darzustellen. Ich empfand es als teilweise falschen Beweggrund. So wird für ein Fest fast alles Gespartes ausgegeben, gebacken, gekocht und sich überschlagen, nur damit man als das beste Pferd im Stall weiterhin glänzt. Hm..

Teilweise zieht sich die Handlung dahin, so richtig Fahrt nimmt sie erst mit der Anreise ihres farbigen Sohnes auf. Georgia verändert sich nicht großartig, aber ihr wird bewußt wie blödsinnig ihre “Der-Name-muss-auf-jeden-Fall-gewahrt-werden”-Aktionen waren. So kommt es wie es kommen muß und sie steht nicht nur zu ihrer tatsächlichen Familie, sondern erstmalig auch zu sich selbst. Kein Trara, schlicht weg Georgia herself.

Die Charaktere sind liebevoll gezeichnet und entwickeln teilweise eine gewisse Eigendynamik. So hätte man zB. hinter der treuliebenden Pfarrersgattin keine böse Schlange erwartet.. oder… ne lest selber.

Fazit:

Alles in allem ein schöner Zeitvertreib, der einem zum Nachdenken anregen kann. Werte wie Treue, Familie, Liebe und Heuchelei werden angegangen. Ein Buch für useliges Wetter.

(3/5)

Goldmann Verlag/EV 22.11.2011/320 Seiten/ISBN 978-3442312153/Original Titel Georgia Bottoms

erhältlich zB bei amazon: Hardcover Taschenbuch (ab dem 15.03.13) 

{Rezension} Trigger – Wulf Dorn

Der Fall einer misshandelten Patientin wird für die Psychiaterin Ellen Roth zum Alptraum: Die Frau behauptet, vom Schwarzen Mann verfolgt zu werden. Kurz darauf verschwindet sie spurlos. Bei ihren Nachforschungen wird auch Ellen zum Ziel des Unbekannten. Er zwingt sie zu einer makaberen Schnitzeljagd um ihr Leben und um das ihrer Patientin. Für Ellen beginnt ein verzweifelter Kampf, bei dem sie niemandem mehr trauen kann. Immer tiefer gerät die Psychiaterin in ein Labyrinth aus Angst, Gewalt und Paranoia. Und das Ultimatum läuft …

Meine Meinung:

Ellen Roth ist Psychaterin in einem Krankenhaus und erlebt einen Alptraum nach dem anderen. Alles fängt mit dem BiF ihres Freundes Chris an, der sich eine Auszeit unerreichbar in Australien nimmt. Ein Besonders interessanter Fall ist die junge Frau allerdings, sie sieht übel mitgenommen aus und die Angst vor einem “schwarzen Mann” steht ihr buchstäblich ins Gesicht geschrieben. Ellen will ihr helfen, sogar der Kollege Mark will sich den BiF weiter ansehen, doch auf einmal ist die junge Frau weg. Keiner will sie gesehen haben, schlimmer noch, sie ist noch nicht mal aktenkundlich aufzufinden. Ellen weiß aber was sie gesehen hat und macht sich auf die Suche.

Wulf Dorn schickt uns an Ellens Seite auf eine Suche, die nicht immer so ausgeht, wie man es gedacht hat. Intelligent werden die Überlegungen wieder über Bord geworfen und ein neues Bild entsteht. Ellen ist fasziniert bzw. wie ihr Kollege sagt verbissen von/in diesem Fall. Sie gibt nicht auf, und genau das tut der Leser auch nicht, er hat auch gar keine andere Wahl, will man endlich hinter das Geheimnis des “schwarzen Mannes” kommen. Ellens Charakter wirkt lebendig, man spürt ihre Angst und möchte am liebsten helfen. Der Spannungsbogen wird ordentlich gespannt, dazu tragen nicht nur die Lebendigkeit der Protagonistin bei, sondern auch die Wendungen und Irrungen der Handlung und nicht zu vergessen das ein oder andere kleine Geheimnis, welches offenbart wird.

Fazit:

Ein spannender Thriller mit einigen Wendungen. Auch wenn man  das Ende ein bißchen erahnen kann, ist es trotzdem ein Genuß auch zu Ende zu lesen.

Heyne Verlag / 05.10.2009 / 432 Seiten / ISBN 978-3453434028 / 9,95€ / Thriller

{Rezension} Das Haus der kalten Herzen – Sarah Singleton

Mitternacht im Haus aus Staub und Eis

Das Haus »Century«, der Landsitz der Vergas, ist in ewigen Winter gehüllt. Die Familie, allen voran die Schwestern Mercy und Charity, erwacht bei Sonnenuntergang und schläft während des Tages. Nie haben sich die Schwestern gefragt, warum sie so leben müssen. Bis zu dem Abend, an dem Mercy im Garten einem Fremden begegnet. Er schickt sie zu einem Ort jenseits der Dunkelheit, an dem der Fluch, der auf den Vergas lastet, seinen Anfang nahm. Doch kann Mercy das düstere Geheimnis ihrer Familie aufdecken, ohne alles zu zerstören, was sie jemals geliebt hat?

Meine Meinung

Mercy kann Geister sehen. Eines Tages sieht sie auf ihrem üblichen Spaziergang den Geist einer Frau im See. Etwas später trifft sie Claudius, jemand den sie kennen sollte, doch zuerst nicht erkennt. Und ihre Odyssee fängt erst an..

Mit einfachen Sätzen, die sich in dem Kopf des Lesers zu Bildern manifestieren, schafft es Sarah Singleton den Leser als solches zu binden. Man ist gespannt auf jedes weitere Detail. Sie beschreibt die Gemütszustände, die Räumlichkeiten und das Geschehen mit warmen herzlichen Worten, die kein Zweifel daran lassen, das etwas mit den Vergas nicht stimmt. Eine Familie, die den Tag zur Nacht macht und umgekehrt in einem Haus, das auch nicht immer das Gleiche ist.

Mercy hat die Möglichkeit das Rätsel zu lösen, wird ihr doch von Claudius, den sie im Garten trifft, ihre Vergangenheit, wie sie sie kennt, in Frage gestellt. Was war wirklich und warum kann sie sich nicht erinnern. Ihre kleinere Schwester Charity kann sich auch an nichts erinnern. Aber was ist Wahrheit, was ist Trug? Mercy kann durch verschiedene Zeitebenen die Wahrheit herausfinden. Hört sich vielleicht komisch an, ist aber ein wunderschönes Element und absolut nicht merkwürdig, wenn man das Buch liest.

Die Charaktere werden auch nach und nach pointiert bzw. erklärt, wer warum wieso. Alles kommt zur rechten Zeit. Besonders gefiel mir der Vater. Bei seinen ersten raren Auftritten hat man das Gefühl der Gute hat absolut keinen Ein- bzw. Überblick, doch man mag sich täuschen.

Sarah Singleton hat ein modernes Märchen erschaffen, zentral wird das Thema der Trauerverarbeitung aufgegriffen.  Wobei es ihr gelungen ist keine Moralpredigt, sondern ein schön verarbeitetes Beispiel anzubringen.

Besonders die im Kopf entstandenen Bilder haben mir supergut gefallen, das Cover nebenbei auch.  Einfach, aber gewaltig und spannend, konnte es kaum aus der Hand legen.

Fazit:

Ein modernes Märchen über den Verlust eines geliebten Menschen und die Verarbeitung der Trauer.

(5/5)

cbt / 04.01.2010 / 288 Seiten / ISBN 978-3570306475 / Originaltitel: Century / Genre: Jugendbuch