05/12/2011
by ri
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Früh morgens sieht es meistens etwas trübe in der S-Bahn aus. Manche schlummern/schnarchen, andere lesen Zeitungen/Bücher/ebooks, wiederum andere starren vor sich hin und belästigen mit zu lauter Musik die Umgebung, während sehr wenige schon morgens quasseln ohne Punkt und Komma. Und dann gibt es eine kleine aber feine “Spielgruppe”, die mit Farben und Nadeln hantieren.
Seit einiger Zeit sitzt in meiner Nähe eine Endzwanzigerin, die lustig und munter vor sich hin strickt. Aktuell war es ein sehr bunter Schal. Ehrlich gesagt, hab ich sie gar nicht soo wahrgenommen, aber dann hörte man eines Frühmorgens einen Aufschrei “Das passt überhaupt nicht!” Häh? Danach war das Geheimnis des Farbenspiels gelöst. Die Gute hatte in ihrer Tüte lauter “Restefäden”, die verstrickt wurden. Und nun wurde gerade von einer ebenfalls geschätzten Mittzwanzigerin die Farbzusammenstellung angemoppert. Die Mopperin bekam die Tüte in die Hand gedrückt und sollte ´nen Faden nach ihrem Geschmack raussuchen. Gesagt, getan.
Mittlerweile ist es ein richtiges Gespann geworden. Die eine sucht den Faden raus, die andere verstrickt ihn. Bloß die “Reste”-Tüte war so langsam leer. Die Strickerin freute sich, hatte sie doch schon das nächste Projekt im Kopf und wollte endlich mal keinen Schal stricken, doch die Mopperin hat ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht. War sie doch extra in die Stadt gefahren, hatte Wolle gekauft und zu Hause in Fäden geschnitten. So gibt es noch zwei bunte Schals und dann wird was anderes gestrickt. Aber dann könnte sie ja gar nicht mehr helfen. Ach doch, ich bring Dir Stricken bei, stricken wir zusammen. Und schon gibt es den ersten S-Bahn-Strick-Club. Vielleicht sollte ich mich dann demnächst dazu setzen?